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Ehrlicher Verdienst?

Immer wieder sprechen Menschen darüber, dass andere Menschen ihr Gehalt, ihre Anerkennung, ihr Auto oder was auch immer ehrlich oder eben nicht ehrlich verdient haben. Dabei hängt unser Empfinden darüber, ob wir etwas nun verdient haben oder eben nicht sehr stark mit unserem Gefühl für Recht und Unrecht zusammen. Doch kann man überhaupt von unserem Rechtsverständnis, egal ob nun juristisch oder moralisch, darauf schließen ob etwas verdient wurde oder nicht? Bedeutet es nicht, dass sich das was ich leiste und das was ich dann erhalte, sich entsprechen müssen, damit ich sagen kann, dass ich es mir verdient habe?

Wikipedia unterstreicht, die These, dass die Frage ob man etwas verdient habe oder nicht, eng mit unserem Empfinden für Recht und Unrecht zusammen hängt. In der Wikipedia Enzyklopädie heißt es:

„Ursprünglich scheint der Begriff im Zusammenhang mit dem christlichen Wertesystem entstanden zu sein, vor allem mit der Ermahnung, dass man keine Ansprüche für geleistete Verdienste geltend machen solle, weil dies zu Streit führe.“

Doch in unserer heutigen Zeit sollten wir uns darüber bewusst sein, dass man die Frage, ob etwas verdient ist, also ob der Einsatz und das Ergebnis sich entsprechen, immer moralisch und rechtlich gleichermaßen empfunden wird.

Ein Auftragskiller beispielsweise, handelt weder im Sinne des Gesetzes, noch im Sinne der Moralvorstellung der größten Teile der Bevölkerung. Trotzdem sind wir uns sicherlich alle darüber einig, dass auch er für seinen Verdienst hart gearbeitet hat. Denn was könnte eine härtere Aufgabe sein, als seine persönlichen moralischen Zweifel auszublenden (die sind sicherlich bei einigen vorhanden) und seine Freiheit (juristisch) zu riskieren?

Ein schwer nachvollziehbares Beispiel? Vielleicht ist das Beispiel des Auftragskillers für Sie schwer verständlich, da ein solches Verbrechen zu stark von ihrem Weltbild, ihrer Vorstellungskraft abweicht? Vorallem wenn Sie bedenken, dass dieses Verbrechen zum Alltag, zum Job wird?

Dann eben ein etwas harmloseres Beispiel, dass auch juristisch nicht so hart bestraft werden würde, wie das obere.

Stellen Sie sich vor, Sie seien absolut abgebrüht. Zusammen mit einem Partner gründen Sie eine GmbH. Erstellen einen Businessplan, der sich wahnsinnig gut anhört und jeder, der ihn hört, wird denken, dass Sie wahnsinnig viel Ahnung davon haben, was sie da erzählen. In Wirklichkeit haben Sie aber garkeine Ahnung, Sie haben auch nicht vor Ihren Businessplan jemals ernsthaft in die Tat umzusetzen, Sie tuen nur so. Sie kaufen sich einen silbernen Mercedes E-Klasse, einen Armanianzug (oder etwas vergleichbares) und begeben sich zusammen mit Ihrem Partner – der ähnlich ausgestattet ist – in die nächste Bank. Tun Sie auf wichtig, bitten Sie einen Bankmitarbeitet, Sie ausführlich zu beraten. Am besten verlangen Sie gleich den Fillialleiter. Sobald Sie mit dem Bankangestellten allein sind, packen Sie Ihr sündhaft teures Notebook aus (MacBook Pro?) und präsentieren Sie Ihrem Gegenüber Ihren Businessplan in genialem Businessdeutsch. Nachdem Sie den Angestellten überzeugt haben, werden Sie ihm erklären, dass Sie diesen Plan natürlich nur umsetzen können (mit Wahnsinnsgewinn), wenn Ihnen die Bank vorher einen Kredit von… Achtung jetzt ganz wichtig: ohne mit der Wimper zu zucken… hier irgendeinen hohen Betrag einsetzen… gewährt. Beobachten Sie, wie Ihr Gegenüber schluckt… sehen Sie das nervöse Zucken seiner Augen…? Sehen Sie wie er versucht Ruhe zu bewahren? Sie werden wissen, er schwitzt aber er zwingt sich einen Augenblick später zu einem lächeln. Ein innerer Zwiespalt breitet sich in ihm aus… er atmet tief durch, wenn Sie gut sind, dann wird er mit einem Lächeln antworten, dass man einem derart vertrauenswürdigen Kunden, diesen Kredit auf jedenfall gewähren würde, vorallem, da man ja schließlich vom Businessplan 100% überzeugt wurde und nun überhaupt keine Zweifel daran habe, dass das Geld schnellstmöglich wieder zurückgezahlt werden würde.

Dann lässt man etwas Zeit ins Land streichen, bekommt ein sehr hohes Geschäftsführergehalt. Schließt auf Firmenkosten noch ein paar Handyverträge ab, least ein Auto usw…usw… nach einiger Zeit ruft der Banker an, um nachzufragen, wie es denn mit der ersten Rückzahlung ausschaut. Achtung jetzt: Story einfallen lassen! Sie müssen ihm irgendwas erzählen, im Idealfall, erreichen Sie damit einen weiteren Kredit. Wenn alle Stricke reissen, dann “drohen” Sie einfach damit, dass Sie Insolvenz anmelden müssen, da es zu Komplikationen gekommen ist.

Und wenn, das nicht mehr zieht, melden Sie einfach Insolvenz an. Vorher sollten Sie natürlich möglichst viel Geld auf Ihr Privatkonto (am besten im Ausland und unter falschem Namen) transferiert haben.

Wenn Sie diese Tipps befolgen, machen Sie sich 100% straftätig und ich rate schon allein deswegen dringend davon ab. Moralisch ist das natürlich ebenfalls vollkommen verwerflich. Nur wenn Sie nun alle Schritte aufmerksam verfolgt haben, müssen Sie zugeben, dass dies Nerven wie Drahtseile, ein hohes Mass an Konzentration und die Fähigkeit ein vollkommen neues Leben zu starten erfordert. Jemand, der all das durchführt, leistet enorme Kopfarbeit, riskiert eine Menge und muss all das mit seinem Gewissen ausmachen. Haben Sie unterm Strich, dass nicht mindestens das geleistet, was Sie am Ende auch erhalten? Zeit, Nerven, Energie investiert. Vielleicht müssen Sie sich am Ende sogar ins Gefägnis begeben. Im Gegenzug gibts einiges an Geld. Halten sich Einsatz und Resultat dann einigermaßen die Waage? Dann haben Sie es doch verdient. Oder etwa nicht? Auch wenn es moralisch verwerflich ist? Und nach unserem Rechtssystem falsch?

Sind Sie immernoch der Meinung, dass das empfinden für “verdient” oder “nicht verdient” gleichzusetzen ist mit unserem Empfinden für Recht und Unrecht?

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