Code is Poetry
Die meiste Zeit arbeite ich schnell. Sicher, Zeit ist Geld. Doch es kommt noch schlimmer, seit ich mich zurück erinnern kann, mache ich in meinen Klausuren (früher hieß das ja noch “Arbeiten”) Flüchtigkeitsfehler und zwar ziemlich gravierende. Ich vergesse Buchstaben am Ende des Satzes oder ganze Wörter. Ich habe seit ich denken kann eine schmierige und unleserliche Handschrift (gut, das trifft auf viele zu…
) und vor allem lasse ich mich durch alles sofort ablenken. Am meisten bekommen das die Menschen zu spüren, die eng mit mir zusammenarbeiten zum Beispiel Julian (ja ich weiß du sagst, das sei nun mal mein “Wesen”
) als wir an seinem Design gesessen haben, kam ich auch ständig vom Thema ab, obwohl wir schon recht konzentriert gearbeitet haben.
In der Realität geht es soweit, dass ich mich an bestimmten Orten gar nicht konzentrieren kann. Ich habe einen krankhaften Aufräumwahn, wenn es um meinen Schreibtisch geht. Ich muss alles minimalistisch halten, die Stifte symmetrisch zur Tischkante legen, alles vom Schreibtisch räumen, was ich gerade nicht brauche damit ich mich überhaupt mal auf eine Sache konzentrieren kann. (Böse Zungen sprechen sogar von Zwangshandlungen
) Sobald etwas in meinem Blickfeld auftaucht, das nicht direkt mit der Tätigkeit verbunden ist, die ich gerade ausführen soll, lasse ich mich dadurch ablenken.
Doch worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass diese (Konzentrations-)Schwäche mir in vielerlei Hinsicht im Wege steht. Denn ebenso chaotisch und flüchtig sehen leider oft auch meine Codes aus. (Wenn ich mich nicht zwinge sie superordentlich zu schreiben, was ich nun immer mehr tue). Das muss nicht, kann nicht und darf nicht sein. Denn Code ist Poesie. Oder um es in schöner Wordpressmanier auszudrücken: Code is Poetry!
Was macht für mich einen guten Programmierer aus?
Neben den Skills, achte ich inzwischen sehr konservativ, man könnte auch sagen spießig auf:
sauberen, übersichtlichen, verständlichen Code
Das bedeutet gut strukturiert, mit Kommentaren versehen und valide.
In gewisser Hinsicht bin ich Perfektionist. Das steh im krassen Widerspruch zu meiner Schluderigkeit (ebenso wie meine Ordnungsliebe und Aufräumwahn in krassem Widerspruch zu meiner Faulheit und der Angewohnheit überall alles liegen zu lassen, stehen…). Ich liebe es gerade Linien zu sehen, ich liebe Ordnung und Symmetrie, ich liebe Organisation. Ich liebe schwarze Farbe auf weißem Hintergrund und ich liebe den Minimalismus. Denjenigen, die in den letzten Tagen das (zweifelhafte) Vergnügen hatten mit mir wegen eines Designs zu kommunizieren, kommt nun vielleicht wieder in den Sinn, dass ich jedes Mal gesagt habe, wie wichtig es mir ist, dass ein Design übersichtlich und professionell aussieht. Dass man eine Struktur und gerade Linien darin erkennt. Ebenso ist es auch mit Source Code. Programmierer ist ein Traumberuf, eine Berufung und in gewisser Hinsicht arbeitet man auch mit Träumen. Das klingt philosophisch, übertrieben und irgendwie ein bisschen kitschig aber es ist die Wahrheit. Wer die Fähigkeit besitzt zu programmieren, der kann etwas aus dem Nichts erschaffen. Er kann Gedanken, Ideen in konkrete Dimensionen zwängen. Er kann aus dem, wovon man vorher nur reden und träumen konnte etwas zum Anfassen (bzw. anklicken) schaffen. Er sollte diese Gabe nicht so flüchtig einsetzen, wie ich meine Klausuren schreibe
sondern mit Sorgfalt und sich Mühe bei seinen Codes geben. Denn: Code is Poetry!
Ich bin Chaim Dönnewald und komme aus Dortmund. Ich beschäftige mich viel mit SEO, Ajax und PHP.


